Während ich am Schreibtisch sitze und auf mein Regal mit meinen diesjährigen Geburstagsgrüßen blicke, wandern meine Gedanken gen Norden…
An den Norddeich, wo gerade in diesen Minuten eine Beerdigung stattfindet. Und auch wenn es etwas seltsam klingen mag: eigentlich wäre ich jetzt lieber dort. Lieber dort, wo ein Freund um seine Mutter trauert, die diese Woche bei einem Autounfall ums Leben kam. Lieber dort, um mit ihm zu trauern, um mit zu leiden, mit zu fühlen, um zuhören zu können und, wo möglich, Unterstützung zu bieten.
Selten wie im Jahr 2008 habe ich meinen Geburtstag als solchen Emotionsmix erlebt: Freude über Menschen, die an mich denken, anrufen, Glückwünsche senden, vorbeikommen - aber mitten in all dem, die Betroffenheit und tiefe Trauer, die meine Gedanken beständig gen Norden wandern lassen. Noch nie hatte zwischen meiner Geburtstagspost auch eine Traueranzeige gelegen.
Natürlich weiß ich, dass es an jedem Tag im Jahr 2008 - und an jedem Tag davor und danach - Freude und Leid auf diesem Planeten gibt. Doch selten hatte sich meine Wahrnehmung darüber jemals so intensiv vermischt. Noch nie hatte ich eine Geburtstags-SMS von einem Freund bekommen, der gerade die Beerdigung seiner verunglückten Mutter plante.
Tod und Leben. Beides geschieht. Täglich. Auch im Juli 2008. Und dann lese ich in der Traueranzeige von der Überzeugung, der hinterbliebenen Familie. Einer grundlegenden Überzeugung, die für sie gilt. Täglich. Auch im Juli 2008:
“Ich (Jesus) bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.” Johannes 11,25